Text für die Rheinische Post vom 29.06.2012,

Hochfest der Apostel Petrus und Paulus:

Peter und Paul. Gefällt mir.

Kranenburg. Unterschiedlicher könnten die Patrone der Kranenburger Stifts- und Wallfahrtskirche kaum sein. Ein einfacher Fischer aus dem Dorf Betsaida am See Gennesaret der eine, Zeltmacher und römischer Bürger aus der Mittelmeer-Großstadt Tarsus der andere. Sein Bruder Andreas führt Simon zu Jesus, der öffentlich zu wirken beginnt und das Reich Gottes verkündet. Erst lange nach Jesu Tod und Auferstehung wird Saulus vom Herrn berufen. Der eine gehört zu den Jüngern der ersten Stunde, der andere sieht sich selbst als den „letzten“ der Apostel an. Während Simon von Jesus den Beinamen „Petrus“, der Fels, erhält, nennt Saulus sich nach seiner Bekehrung vor Damaskus „Paulus“, der Kleine. Jesus heilt die Schwiegermutter des Petrus, Paulus ist unverheiratet. Der eine bekennt: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16) – und muss sich von Jesus als „Satan“ bezeichnen lassen, weil er das Kreuz noch vermeiden will. Aufgrund seines Kleinglaubens droht Petrus unterzugehen – und ihm vertraut Jesus die Schlüsselposition an. Dreimal wird er von Petrus verleugnet – trotzdem beauftragt Jesus ihn, seine Schafe zu weiden. Der andere ist mit dem Mord an Stephanus einverstanden: Die Vorstellung, Jesus sei der Sohn Gottes, bekämpft er als Lästerung. Als Pharisäer übertrifft er in seiner Gesetzestreue die meisten Altersgenossen. Seinem Kollegen Petrus aber tritt Paulus später offen entgegen, um die Freiheit der Christen zu verteidigen. Heute feiert die Kirche sie gemeinsam. Beiden ist für das Evangelium kein Weg zu weit. Zu Fuß und mit dem Schiff, persönlich und per Brief knüpfen sie als Menschenfischer das Netzwerk des Glaubens. In Rom leben und sterben beide „im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20). Petrus am Kreuz, Paulus unter dem Schwert. Keine makellosen Supermänner, sondern schwache Menschen, die der Glaube stark macht. Das gefällt mir.

Christoph Scholten, Pfarrer in St. Peter und Paul, Kranenburg, St. Bonifatius, Niel,

St. Johannes Baptist, Wyler und St. Martin, Zyfflich.